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Tagebuch und Tourbilder 3.Teil | Ab 12. Juni 2011

Die Reise geht bereits dem Ende entgegen. Unglaublich. Wie die Zeit vergeht. Irgendwie werden diese Souvenirs dann wohl in unseren Köpfen verwischen... und wohl nur noch die Bilder bleiben, welche wir fotografiert haben.

Es geht jetzt noch um die letzten Kilometer nach Berlin.

Porta Westfalica - Hannover | 12. Juni 2011

Morgens früh schon mit den Jungs von Hotel.de rumgezankt, weil die irgendwie irgendwo in den Geschäftsbedingungen haben, dass man Hotels stornieren kann, aber nur zu irgendwelchen Bedingungen, sofern bis 18 Uhr 00 am Anreisetag geschehen. Nachdem man uns am Tag vorher mitteilte, dass man dies direkt mit dem Hotel machen soll, haben wir das auch so getan. Und jetzt weiss niemand mehr was davon. Wir lernen; anrufen, direkt buchen... nix über Internet. Nix über AGB's welche seitensweise sind und irgendwelche sichselbstauflösende Paragraphen beinhalten.

Fahrt zum Fluss runter - Tolles Plakat vom kleinen Feigling - Danke an Dani Rocchinotti für die mitgegebene Flasche!

Der Wettergott frohlockt...

...und macht uns zum zweiten Mal auf dem Trip heute nicht nass. Dankeschön. Wir haben's auch verdient. Die Strecke zieht sich heute nach Hannover. Es sind wieder unendlich viele Kilometer und es scheint nicht enden zu wollen.

Die beiden Käptn's sprechen heute nicht viel. Man hängt den Gedanken nach, dröhnt sich Musik in die Ohren, beantwortet Telefonanrufe und schreibt auf Facebook. Oder guckt die Frachter an, die vorbeiziehen. Haben die eigentlich kein Pfingstfahrverbot?

Was machen wir hier eigentlich? Spielen Klabautermann und Störtebecker... Wir strampeln uns von morgen früh bis abends spät einen ab. Wir könnten ja eigentlich auch ganz normal zu Hause Formel 1 - Rennen schauen, n'Bierchen trinken... Aber nein, wir hängen hier irgendwo im Norden Deutschlands rum und schippern durch die Kanäle.

Strampeln strampeln strampeln

Die Kanäle sind zwar relaxeder zu fahren, jedoch sind die Schwelen an den Seiten (Eisenpfähle in den Boden gerammt) wie ein PingPong-Automat für die Wellen. Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Die Welle nimmt die im 30 Grad Winkel von vorne und 20 Sekunden im 30 Grad Winkel von hinten.
Zum Glück gibt's die bescheuerten Angler, da hat man wenigstens was um sich aufzuregen.

Hafen Hannover

Die letzten Kilometer ziehen sich wieder. Der Hafen liegt 6 Kilometer in der Stadt drin. Also gut eine Stunde durch Hannover strampeln. Nette Leute im Yachtclub. Wieder viele Zuseher und -winker auf der "Prinz Adalbert" dem 3-Kamin-Dampfer, welcher in Hannover jetzt der Gastronomie im Hafen dient.

Hannover - Wolfsburg | 13. Juni 2011


8 Uhr 30 morgens im Hafen. Wir haben Probleme mit den doofen Fischer's Fritzen, die 3-fach bestückten Angelbuben am Uferrand, welche ihre Ruten ohne Warnung ins Wasser schmeissen. Und uns so die Propeller verstopfen.
Überhaupt haben wir uns überlegt, was erwachsene Menschen in Kampfanzügen, Tarnzelten und einer Kiste Bier ans Flussufer treibt um mit elektronischen Bewegungsmelder zu checken, dass ein Fisch anbeisst. Ihr seid bescheuert.
Natürlich ruft genau in dem Moment der Reparatur Radio Energy Zürich an, sorry, die Damen+Herren, versucht's später nochmals, wir müssen hier weg, gibt n'langer Tag. Wir wollen zu den Wölfen. Nach Wolfsburg.

Wieder mal ne Schleuse

Gestern war ein äusserst entschleuster Tag; keine einzige dieser Barrieren, die einem zwar hoch- oder runterhieven, aber jedes Mal mind. 40 Minuten Zeit kosten.

Und heute morgen, jetzt nach 11 Kilometer geht's aber wieder wie geschmiert. Zwei "Berufsfahrer", ein "Sportboot" und dann wir... Rein in das Ding und 12.5 Meter Wasser in die Wanne und oben geht die Fahrt dann locker weiter...

Das Wetter könnte heute tatsächlich wieder halten. Support your local wetterfrosch...



Wieder n'neuer Hafen

Sehnde. Beim Motorbootclub Sehnde freundlich aufgenommen. Seit Hannover gut und gerne 4 Stunden durchgestrampelt, inkl. der Schleuse. War schon wieder n'hartes Stück Brot für die Beine.

Dazu macht jetzt der Antrieb auf der linken Seite Zoff und die Antriebskette springt immer mal wieder raus. Zeit für'n Kaffee.

Bei Wolfgang und seinen Mannen vom MBC Sehnde gab's frischen Kaffee. Wir verladen das Boot um einige Kilometer, weil wir zwingend um 18 Uhr 00 in Wolfsburg sein müssen. Pressetermin.

Wolfsburg - Peter Maffay ist da - wir auch...

Der Deutschrocker spielt in der grossen Halle mit den Kaminen (ehemals Kraftwerk von Volkswagen), derweilen wir unten im Yachthafen anlegen. Hätten wir das gewusst, hätten wir uns Karten besorgt.

Auf den letzten Kilometern erkennt uns der Sprecher eines Touristendampfers und teilt seinen Pfingstmontags-Fahrgästen aufgeregt mit, dass wir jetzt die Schweizer wären, die von Zürich nach Berlin fahren würden... er hätte von uns in der Zeitung gelesen... der Touristendampfer spendet Applaus. Derweilen die Antriebskette links wieder rausspringt. Aber uns schwillt natürlich der Kamm - wann hat wegen Dir schon mal ein Touridampfer standig ovations gespendet? Siehste...

Ankunft im Hafen. 4 - jawohl 4! - Kameras auf uns gerichtet. Wir "posen" mit unserem Pedalo. Ein Prolo mit einer Millionen-Yacht fühlt sich ob dieses Auflaufs ziemlich zurückversetzt und ist enttäuscht, dass man unser kleines Strampelding vor die Linse will und nicht seinen Pott.
Mit der lokalen Presse geschwatzt, die haben schon vorgängig nett geschrieben. Wolfsburg wir lieben Dich!
Lieber Carsten von der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung - Danke für Deine Zeit - gerne einmal wieder...

Hotel Global Inn, in der Innenstadt, nur zu empfehlen.

Wolfsburg - Burg,Magdeburg | 14. Juni 2011

Eigentlich wär heute Ruhetag. Ein bisschen in Wolfsburg vor der Autostadt rumkurven. Der Blick auf die Karte verrät aber, dass da noch zwei, drei fette Etappen auf uns warten. Und wenn wir in den Kanälen mit 5-6 km/h rumstrampeln - das könnte heftig werden. Wir entschliessen uns, den freien Tag zu streichen und zu pedalen.
08 Uhr 30 bis 09 Uhr 15 Radiointerviews. Aber da sitzen wir bereits bei Regen auf dem Boot.

Telepathie auf dem Kanal

Während ich gerade Andreas Bichting - einem begnadeten Musiker und Musikzampano ein SMS nach Berlin sende, fährt das Schiff Andreas vorbei. Telepathie auf dem Kanal.

Wir hätten Andreas gerne mit auf's Boot genommen, für die Einfahrt nach Berlin. Ein Saxophonspieler hinten auf dem Boot wäre wohl ein sensationelles Feeling gewesen. Schade hat's nicht geklappt.

Ach ja. Es regnet seit der Abfahrt.

Sintflut

Es giesst wieder gnadenloser. Gnadenloser als bei der Abfahrt vor zwei Stunden. In der Hoffnung man möge dies auf einem 300 Pixel-Bildchen besser erkennen, wird dieses ausnahmsweise grösser gestellt. Wir halten unter einer Brücke. 45 Minuten gehen drauf. Die Zeit will genutzt sein. Die Telefonanbieter erkennen uns hier unter der Brücke nicht.

Wir versuchen ein Feuer zu machen. Wissend, dass wir anschliessend nach Feuer stinken, aber egal. Das gefundene Feuerzeug gibt dann den Geist auf.

Wir fahren bei weniger Regen weiter.

Die Mauer lebt!

Stefan macht sich an einem Bootssteg auf Wassersuche. Derweilen ich die Mauer, welche einen Kanuclub von einer Baustelle trennt, genauer unter die Lupe nehmen. Irgendwie kommen mir die Bauteile doch sehr bekannt vor.

Es müssen original Mauerteile sein. Man sieht noch die Armierungsstutzen, wo der Ring drüber gestülpt wurde.

Heute trennen die Zeugen dieses Scheusalsbauwerkes ein Bauschuttunternehmen vom Kanuclub. Schon das ist an und für sich schlimm genug. Solche Zeitzeugen brauchts nicht.

Wir fragen uns, ob's auch Transitstrecken auf dem Wasser gab, um die Besucher des Arbeiter- und Bauernstaates vor Besuchern auf dem Schiff, welche aus dem Westen kamen, zu schützen. Wir fragen nach. Ja, das gab's.

Wenigstens regnet's nicht mehr.

Wieder Polizeieinsatz - wegen Missachtung eines Fahrverbotes.

Bei Streckenkilometer 270 auf dem Mittellandkanal steht das wohl imposanteste Bauwerk an dieser Strecke. Das Wasserstrassenkreuz wo der Mittellandkanal über die Elbe führt. Darauf haben wir uns gefreut, das haben wir uns vorher extra angesehen.
Wir fahren drüber - nach telefonischer Anmeldung beim Schleusenwart. Dieser weiss nix besseres zu tun, als die örtliche Polizei zu alarmieren, welche dann auch schon am Ende der Brücke auf uns wartet. Nette Polizisten - ehrlich - erklären uns, dass dies bei Strafe verboten ist. Die Strafe ist 35 Euro. Der Strafbescheid wird sorgsam aufbewahrt.

Magdeburg

Vor dem Schleusentor schwimmt auf einmal unsere Wasserkarte für die letzten paar Tage. Genauer gesagt, ab heute abend bis am 17. Juni 2011. Sofort nach Verifizierung des eigenartigen Schwimmkörpers vor der Schleusenwanne (weiss der Geier wann wir die verloren haben) machen wir uns an die Bergung. Die Wasserkarte versinkt in den Tiefen der Schleusenwanne.
Die Stimmung ist ziemlich auf dem Nullpunkt.

Jetzt erst recht - so die Devise, wir brettern und strampeln die letzten Kilometer in den Hafen, als wären wir erst gerade aufgestanden. Mit Musik in den Ohren - ohne eine Wort. Wir schaffen über 7 Kilometer in einer Stunde.

Um 22 Uhr im Hotel in Magdeburg. Supernetter Empfang durch's Hotelpersonal. Man gibt uns den Tip für's Essen. Bei "Amici" in Magdeburg bekommen wir das wohl leckerste Essen, welches ein Italiener wohl je zauberte. Leider zu müde um noch gross zu geniessen. Käpt'n links läuft sich auf dem Rückweg ins Hotel noch blutige Füsse.

Aber wenn's den wahren, den einzigen "Italiener" gibt. Dann ist dieser im Amici zu finden.

Burg, Magdeburg - Brandenburg an der Havel | 15. Juni 2011

Wieder ein Brocken. Auf der Karte sind's gut und gerne 65 Kilometer. Bei unserer Reisegeschwindigkeit also 13 Stunden strampeln. Heute morgen brennen die Beine wie noch nie zuvor.

Von netten Bootsleuten, welche am Vorabend die Missgeschicke "Polizei" und "abgetauchte Karte" mitbekamen, erhalten wir einen Wasserwander Atlas. Umsonst. Geschenkt. Gedruckt im Jahr 1983.

Womit wir wieder in der Deutschen Geschichte gelandet wären. Das Vorwort aus sozialistischen Zeiten liest sich wie ein Witz oder ein geistiger Irrtum. Ob all die lobenswert erwähnten Menschen auf ihr damaliges Mittun heute wirklich noch stolz sind?

Blödsinn Teil 1

Auf der Strecke seit Wolfsburg ist's wie auf Schweizer Autobahnen. Es wird gebaut.

Wir klären ab. Es wird jetzt also der Kanal für die ganz grossen Pötte schiffbar gemacht. Es wird gebaggert und geschaufelt, was das Zeugs hält. Man erhöht Brücken, buddelt Flusslandschaften weg...

Wie bescheuert ist das denn?

Wenn wir von den wenigen Schiffen, welche uns seit Duisburg (nach Abbiegen aus dem Rhein) hier auf den Kanälen begegnet sind, so ist die Verhältnismässigkeit kaum zu ertragen.

Die meisten Schiffe, welchen wir begegnen, sind sowieso Bauschiffe. Und die Binnenschiffahrt ist doch sowas von überholt. Für Güter die Bahn!

Was hier geschieht, ist in etwa so, als würden die Eisenbahnen neue Strecken für Dampfloks ausbauen.

Blödsinn Teil 2

Sogar die Schleuse in Würlitz wird gross ausgebaut. Damit dann noch grössere und fettere Schiffe bis nach Berlin reinfahren können? Wir fragen uns sowieso, warum soviele Haltebuchten und Anlagen für grosse Schiffe gebaut werden - und wer vorallem daran verdient?

Uns fällt auch auf, dass die meisten Baumaschinen, welchen wir zu hunderten auf dem Kanal und an dessen Ufern begegnen sehr neu aussehen. Wurde das Ganze extra für diesen Kanalausbau angeschafft.

Wirtschaftswunderland Deutschland auf dem Rücken der Steuerzahler?

Das Boot zum ersten Mal auf See

Unser Seacycle befährt sei März, als wir das Boot in Aschersleben abholten, zum ersten Mal einen See. Ein erhabenes Gefühl. Wir nutzen natürlich die Fahrrinne für die grossen Pötte. Das haben wir uns verdient. Und wir beschliessen, morgen zum ersten Mal in einem See zwischen Brandenburg und Potsdam ein Bad zu nehmen.

Wir haben einen veritablen Vorsprung auf unsere Marschroute und entscheiden uns, die letzten Kilometer in zwei Etappen zu fahren. Also je 30 Kilometer pro Tag bis Berlin.

In Potsdam verabreden wir uns für morgen mit Udo Beyer; einem der erfolgreichsten DDR - Leichtatlethen überhaupt. Olympiasieger, Europameister, Landesmeister (11fach), Spartakiade-Sieger, x-facher deutscher Rekordhalter, usw... Was Kugel-Werni Günthör für die Schweizer ist, ist Udo Beyer für die Deutschen. Wir haben uns schon zwei Jahre nicht mehr gesehen. Freut uns, dass Du Zeit hast.

Die Körper werden dankbar sein.

Ankunft in Brandenburg

Um 19 Uhr laufen wir bei einem Campingplatz mit Bootsanlegestelle ein. Natürlich werden wir wieder bestaunt und einige halten uns für bekloppt.
Ihr gutes Recht.

Unterwegs haben wir noch ein Telefon vom Seacycle - Produzenten aus den USA erhalten. Dort wird natürlich der Härtetest für das Seacycle (unser Pedalo - das Boot) verfolgt. An dieser Stelle; liebe Grüsse an die Entwicklung- und Verkaufsabteilung. Danke für alle Hinweise.
Man hat uns umgehend auch Hilfe im Falle einer Störung angeboten. Jetzt - 60 Kilometer vor dem Ziel, wir werden uns noch durchbeissen. Aber ultralieb, dass Ihr uns angerufen habt.

Beim Warten auf den Abtransport lesen wir noch den Schilderwald durch, wo genau draufsteht, was zu tun und zu lassen ist. Sureal, wenn man weiss, wie nett wir empfangen wurden. Aber wahrscheinlich braucht's das hier.

Wir bekommen Herrn Baumann, Deutschlands wohl freundlichsten Taxidriver überhaupt, welcher uns auf der Fahrt ins Hotel die Geschichte der Stadt erklärt.

Heute fuhren wir eine unglaubliche Pace, zum Teil mit fast 8 Kilometern die Stunde. Und haben während 10 Stunden Fahrt die Sitze nur käumlich verlassen.